Kurz gesagt: Hinweise sammeln, Gewissheit prüfen lassen
Zu Hause kannst du Hinweise sammeln: die Punze lesen, einen Magnettest machen und nach Abrieb suchen. Keiner dieser Schritte beweist, dass ein Stück aus echtem Gold ist. Sie helfen dir aber zu entscheiden, ob sich eine Prüfung beim Juwelier oder in einem Labor lohnt, etwa vor einem Verkauf oder bei geerbtem Schmuck.
Schritt 1: Die Punze lesen
Suche innen in der Ringschiene, am Verschluss, an Öse oder Stecker nach einer Zahl. 333, 375, 585, 750, 916 und 999 sind Goldfeingehalte in Tausendteilen, also der Goldanteil pro 1.000 Gewichtsteile. Was jede Zahl bedeutet, zeigt die Übersicht Punzen und Goldstempel.
Achte genauso auf Zusätze. GP, RGP, GF, „vergoldet“ oder „Doublé“ weisen auf eine Goldschicht über einem anderen Metall hin. Und denk daran: In Deutschland bringt der Hersteller oder Händler die Punze an, eine Behörde prüft sie nicht. Für die Richtigkeit haftet der Verkäufer (§ 7 FeinGehG).
Eine fehlende Punze heißt umgekehrt nicht automatisch „unecht“. Das Feingehaltsgesetz schreibt keinen Stempel vor; es regelt nur, wie eine Angabe aussehen muss, wenn es eine gibt (§ 1).
Ist Gold magnetisch?
Nein. Gold ist diamagnetisch: Seine magnetische Suszeptibilität ist negativ, ein Magnetfeld stößt es also minimal ab, statt es anzuziehen. Mit einem Haushaltsmagneten spürst du davon nichts; der Magnet bleibt an echtem Gold einfach nicht haften.
So nutzt du den Magnettest richtig:
- Halte einen starken Magneten an das Schmuckstück selbst, nicht nur an den Verschluss.
- Zieht der Magnet deutlich an, ist das ein Warnzeichen. Eisen und Nickel sind ferromagnetisch; das Stück enthält dann vermutlich solche Metalle, etwa als Kern unter einer Goldschicht.
- Haftet der Magnet nicht, ist das noch kein Beweis.
Warum nicht? Auch Silber und Kupfer sind diamagnetisch, und Metalle wie Aluminium sind nur sehr schwach paramagnetisch. Ein vergoldetes Stück aus solchen Metallen reagiert genauso wenig wie Gold. Dazu kommen Verschlüsse und Federn, die aus anderen Metallen bestehen können: Das Feingehaltsgesetz lässt solche mechanischen Teile bei der Bestimmung des Feingehalts ausdrücklich außer Betracht (§ 8). Der Magnettest kann ein Stück also verdächtig machen, aber nie seine Echtheit belegen.
Abrieb und Verfärbungen: Hinweise auf eine Beschichtung
Schau dir die Stellen an, die beim Tragen am meisten beansprucht werden: Kanten, Ösen, Verschlüsse, die Unterseite eines Rings. Scheint dort ein andersfarbiges Metall durch, silbrig oder rötlich, deutet das auf eine Vergoldung hin. Laut FTC tragen sich besonders dünne Vergoldungen („gold flashed“ oder „gold washed“) schneller ab als andere.
Kratze oder feile nicht selbst an einem Stück, um darunter zu schauen. Das beschädigt den Schmuck und ersetzt keine Prüfung.
Strichprobe und Säuretest beim Juwelier
Die Strichprobe ist ein klassisches Verfahren, das die chemische Beständigkeit von Gold nutzt: Gold reagiert auf Säure viel langsamer als andere Metalle. So läuft sie ab:
- Das Stück wird über einen feinkörnigen schwarzen Prüfstein gezogen, meist aus Basalt, und hinterlässt einen Strich.
- Daneben kommen Striche von Probiernadeln mit bekanntem Goldgehalt.
- Eine Prüfsäure, etwa Salpetersäure, wird über alle Striche gezogen. Die Reaktion wird verglichen.
Eine Untersuchung in der GIA-Fachzeitschrift Gems & Gemology hält die Strichprobe für recht genau, wenn die prüfende Person erfahren und unvoreingenommen ist; eine Vergoldung kann ein geübtes Auge dabei erkennen. Prüfsäuren sind starke Säuren, und die Ergebnisse hängen von Übung ab. Überlass diesen Test lieber Fachleuten.
Röntgenfluoreszenz und Brandprobe: die Laborverfahren
- Röntgenfluoreszenz (RFA, englisch XRF): Ein Gerät bestimmt zerstörungsfrei die Zusammensetzung. Laut GIA-Untersuchung stammt das Signal aber nur aus den obersten Mikrometern. Beschichtete oder ungleichmäßige Stücke werden deshalb nicht vollständig erfasst, gewölbte oder strukturierte Oberflächen liefern unsichere Werte. Bei flacher, gleichmäßiger Messfläche und passender Kalibrierung kann die Messung laut der Untersuchung auf etwa 15 Tausendteile genau sein.
- Brandprobe (Kupellation): Eines der ältesten Verfahren. Eine kleine Probe wird bei hoher Temperatur eingeschmolzen, unedle Metalle werden abgetrennt, Silber wird mit Salpetersäure herausgelöst, danach wird das verbleibende Gold gewogen. Die Norm ISO 9202 empfiehlt für Goldlegierungen die Kupellation nach ISO 11426. Dafür muss Material entnommen werden.
Welcher Test was zeigt
| Methode | Wer | Was sie zeigt | Grenze |
|---|---|---|---|
| Punze lesen | du | angegebenen Feingehalt | keine Messung; Stempel kann falsch sein |
| Magnettest | du | Hinweis auf Eisen, Nickel oder Stahl | beweist keine Echtheit |
| Abrieb ansehen | du | Hinweis auf eine Beschichtung | nur bei sichtbarem Verschleiß |
| Wiegen im Wasser (Dichte) | du oder Fachperson | groben Dichtewert | laut GIA-Untersuchung für die Karatbestimmung ungeeignet |
| Strichprobe mit Säure | Juwelier | ungefähren Feingehalt | hängt von Erfahrung ab; trägt minimal Material ab |
| Röntgenfluoreszenz | Juwelier, Labor | Zusammensetzung an der Oberfläche | misst nur wenige Mikrometer tief |
| Brandprobe | Prüflabor | Goldgehalt des Materials | verbraucht eine Probe |
Finger weg: Essig, Feuerzeug und Beißen
- Essig: kein anerkanntes Prüfverfahren. Gold ist chemisch sehr reaktionsträge, eine intakte Vergoldung aber auch. Über das Metall unter der Oberfläche sagt der Test nichts.
- Feuerzeug: Hitze beweist nichts und kann schaden. Das GIA warnt, dass starke Hitze und plötzliche Temperaturwechsel manche Edelsteine springen lassen können.
- Beißen: Reines Gold ist sehr weich, Schmucklegierungen sind deutlich widerstandsfähiger. Zahnabdrücke sagen über 585 oder 750 nichts aus und beschädigen das Stück.
Wann ein Foto hilft und wann nicht
Ein gutes Foto macht Punze, Abriebstellen und Machart sichtbar. Mit Punzen per Foto bestimmen bekommst du dazu eine erste visuelle Einordnung. Zusammensetzung und Gewicht kann ein Bild aber nicht messen. Für Verkauf, Erbe oder Versicherung ist eine Prüfung beim Juwelier der verlässliche Weg; Hinweise zum Umgang mit Nachlass-Schmuck findest du unter Geerbter Schmuck. Eine ausführlichere englische Fassung steht unter How to tell if gold is real (Englisch).